In Szene gesetzt
06.Februar 2025Im heutigen Blog-Beitrag möchte ich eine Person vorstellen, die sich zwar im Hintergrund aufhält, jedoch das Bild des Theaters enorm prägt: unseren Theaterfotografen André Leischner. In wenigen Worten: wie bist du zum Theater gekommen und was hast du davor gemacht?
Zum Theater bin ich mehr oder weniger durch eine recht unvorhergesehene Wendung gekommen. In meinem Leben vor dem Theater war ich knapp 15 Jahre lang freier Architekt und habe mit einem Partner zusammen ein Architekturbüro in Zwickau betrieben. Fotografie war schon seit vielen Jahren ein Hobby, dem ich auch sehr exzessiv nachging. Als mein Vorgänger Peter Awtukowitsch dabei war in Rente zu gehen, wurde mir angetragen, mich doch als Fotograf am Theater zu bewerben. Als Architekturbüro hatten wir ganz gut was geschafft, das Unternehmen war immer erfolgreich, aber bei mir war auch die Luft einfach raus und ich hatte schlichtweg keine Lust mehr auf die Branche. Meine Bewerbung ans Theater habe ich dennoch abgeschickt, ohne zu erwarten, dass dabei etwas rauskäme oder die Bewerbung ernstgenommen werden würde – immerhin bin ich Autodidakt und mein Portfolio war schon auch irgendwie extrem und so gar nicht typisch für einen Theaterfotografen. Aber es kam anders, letztlich hat man mich aus dem Pool der vielen Bewerber ausgewählt. Da war klar für mich, dass es jetzt kein Zurück gibt. Ich habe das Architekturbüro meinem Partner überlassen und bin ins kalte Wasser gesprungen. Das ist nun über 6 Jahre her und ich bereue es noch immer nicht.
In der Regel stehst du hinter der Kamera und versucht die Darstellenden auf der Bühne ins beste Licht zu rücken. Das ist im Grunde die Aufgabe einer/s jeden Fotografen:in, aber was macht den Beruf der/des Theaterfotograf:in aus?
Man braucht wirklich ein Gefühl für das, was vor der Linse passiert, wenn die Bilder spannend sein sollen. Das heißt, man muss es irgendwie hinbekommen, die technischen Aspekte des Fotografierens auf der einen Seite immer im Auge zu haben, mit Gegebenheiten wie Licht und Bühnenbild abzugleichen und dabei immer auch spontane Entscheidungen zu treffen. Auf der anderen Seite ist es in meinen Augen unumgänglich, sich auf das Geschehen auf der Bühne einzulassen, denn nur so kann man Situationen antizipieren. Das ist wichtig, denn oft ist es zu spät, wenn die Entscheidung des Abdrückens erst dann fällt, wenn die Szene, die Geste, der Sprung oder die Bewegung schon stattfindet. Man muss sich immer im Klaren darüber sein, dass man in einer Fotoprobe normalerweise keine zweite Chance hat.
Beim Ablichten einer Inszenierung bildest du quasi die Bildsprache der Regie ab, was reizt dich an der Aufgabe? Wie bringst du deine eigene Ästhetik mit ein?
Das reizvolle darin ist das Pokern, ob man die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Die Regie hat normalerweise keine Kapazität im Vorfeld groß mit dem Fotografen über die Bilder zu debattieren. Man muss sich also trauen das Stück mit der Kamera in eigenen Bildern zu erzählen und dann darauf bauen, dass man den Nerv derer getroffen hat, die über die Bildauswahl entscheiden. Meine eigene Ästhetik bildet sich dadurch ab, dass ich die zuvor genannten Entscheidungen selbst treffe und Dinge wie Nähe und Ferne, Perspektive, Winkel und nicht zuletzt den Moment der Aufnahme selbst festlege. Letztlich sagt auch die von mir selbst vorgenommene Vorauswahl der Bilder sehr viel darüber aus, wie ich die Inszenierung bzw. die erzählte Geschichte wahrnehme.
Neben den Inszenierungsfotos hast du noch die Möglichkeit dich in anderen Projekten auszutoben, kannst du darüber was berichten?
Oh ja, da gibt es vieles, was über Inszenierungen hinaus zu tun ist. Beispielsweise portraitiere ich jede und jeden Künstler des gesamten Ensembles für Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit. Das ist etwas, das ich sehr mag an meinem Job. Ich lerne sehr viele Menschen aus sehr vielen Teilen der Welt mit sehr vielen verschiedenen kulturellen und persönlichen Hintergründen kennen. Kreativ darf es auch immer gern werden, wenn wir uns in der Öffentlichkeitsarbeit Motive für die Werbung ausdenken und ich diese dann umsetzen darf. Ein jedes Jahr wieder auf den Plan rutschendes kleines Großprojekt sind auch die Fotos fürs Spielzeitheft.
Im Spielzeitheft werden unsere Ensemblemitglieder an anderen Orten und anderen Posen abgelichtet, wie gehst du dabei vor? Kannst du schon einen Einblick geben, was das Publikum im nächsten Heft erwarten wird?
Zuerst gibt es die Phase der Konzeptfindung, wenn das Motto der kommenden Spielzeit feststeht. Da wird in einer Runde von Entscheidungsträgern ausdiskutiert und festgelegt, in welche Richtung die Bilder gehen sollen. Hier kann ich mich natürlich auch mit einbringen. Dann werden einzelne Bild-Ideen gesammelt, ausgewertet und aussortiert. Die letztlich umgesetzten Bildideen sind also nur zum Teil von mir. Dann gehe ich in die Planung der Shootings. Da organisiere ich je nach Notwendigkeit Locations, Zubehör, eventuell nötige Accessoires und Genehmigungen und finde Termine mit den Künstlerinnen und Künstlern. Und dann wird geshootet, ausgewählt, bearbeitet und für den Druck vorbereitet. Das ist dann immer ein sehr schöner Moment, wenn man nach alledem dann das Ergebnis in den Händen halten darf. Für das kommende Spielzeitheft befinden wir uns noch in der frühen Planungsphase, was die Bilder angeht. Dazu kann ich leider noch nicht viel sagen - außer, dass wir vielleicht die bildsprachliche Gangart im Vergleich zu den beiden letzten Jahren ein bisschen ändern werden.
Die Fragen stellte Josias Ray.