Wer zuhört, ist im Vorteil. Wer nicht zuhört … findet plötzlich ganz andere Geschichten. So wie Hanna und Greta. Eigentlich sollten sie mit ihrer Schulklasse durch die ehrwürdigen Flure des Theaters schleichen und sich Dinge erklären lassen. Doch nach kürzester Zeit beschließen die beiden: Danke, reicht. Also biegen sie ab. Falsch. Oder genau richtig. Hinter einer unscheinbaren Tür, die verdächtig nach »Hier passiert garantiert nichts« aussieht, treffen sie auf jemanden, der das komplette Gegenteil verkörpert: eine Souffleurin. Und sie stellt gleich klar: Ohne sie läuft hier gar nichts. Wirklich gar nichts. Sängerinnen vergessen Texte, Hexen verhaspeln sich, und Kinder verlaufen sich im Wald. Sie ist, wenn man so will, die heimliche Dirigentin des Chaos. Kaum haben Hanna und Greta begriffen, dass sie es hier mit der vermutlich wichtigsten Person des Hauses zu tun haben, geraten sie mitten hinein in eine Geschichte, die sie eigentlich nur aus dem Märchenbuch kennen: Hänsel und Gretel! Plötzlich ist da ein Wald, der mehr nach Bühne riecht als nach Moos und eine Hexe, die ganz genau weiß, wie man Applaus backt. Geführt – oder besser: souffliert – von ihrer neuen Bekanntschaft erleben die beiden eine Oper von innen. Mit falschen Abzweigungen, richtigen Tönen und der Erkenntnis, dass man manchmal nur eine Tür öffnen muss, um mitten in einem Märchen zu landen.
Das Besondere dieser Inszenierung ist ihre intime Form: In einer Fassung mit Klavier rückt die Handlung ganz nah an das Publikum heran. Der Fokus liegt auf den zentralen Figuren Hänsel, Gretel, Mutter, Hexe sowie Sandmann und Taumännchen. So entsteht ein unmittelbares, spannendes Theatererlebnis, das Gefühle wie Angst und Geborgenheit auf dem Weg zum Erwachsenwerden unmittelbar erfahrbar macht.