Was wäre, wenn alles Erbe verlost würde? Im Jahr 2024 wurden 113,2 Milliarden Euro vererbt, die Dunkelziffer ist noch höher, da viele Erbschaften wegen der Freibeträge von der Steuer ausgenommen sind. Eine Diskrepanz ergibt sich dabei zwischen Ost und West. In den westdeutschen Bundesländern wurde 2022 im Schnitt neunmal so viel steuerpflichtiges Vermögen vererbt wie in den ostdeutschen. Außerdem wird fast die Hälfte aller übertragenen Reichtümer innerhalb von nur zehn Prozent der Erbfälle weitergegeben. Die SPD plädiert deshalb für eine Erbschaftsreform, die CDU nennt diese Gift für die mittleren Betriebe und in Nora Abdel-Maksouds absurder Politkomödie »Jeeps« ist eine solche Reform bereits Realität geworden.
Die Dramatikerin entwirft die Utopie einer Gesellschaft, in der das Vermögen einer verstorbenen Person verlost wird. Um ein solches Erbschafts-Los gewinnen zu können, müssen alle Interessierten ausgerechnet im Job-Center einen Antrag stellen. Das neue System führt zu tagelangen Warteschlangen, Autokorsos von Enterbten und chaotischen Ansammlungen von Kindern in den Wartesälen, die für den Mitleidsbonus vorausgeschickt wurden. In diesen Zeiten klammert sich der penibel genaue Sachbearbeiter Gabor an den mühsam einstudierten Regelkanon der Leistungsgewährung. Anträge werden von ihm schon abgelehnt, wenn sie orthografische Fehler aufweisen. Sein Kollege Armin vertreibt sich den Alltagstrott mit Witzen unterhalb der Gürtellinie und spinnt im Geheimen Intrigen gegen seinen Kollegen. Eines Tages werden beide überfallen: von Silke, einer Enterbten, die sich um das Vermögen ihres verstorbenen Vaters betrogen fühlt und Maude, einer Bürgergeld-Empfängerin im Langzeitbezug, die mit Gabor noch eine Rechnung offen hat.
Nora Abdel-Maksouds schnoddrige Satire »Jeeps« entwirft einen neuartigen Klassenkampf, der wortwörtlich für Sprengstoff sorgt und Fragen nach finanzieller Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit ganz neu verhandelt.