Wunderbar steht der weiße Nebel über den Wäldern. Ein Wesen steigt aus den düsterdeutschen Ruinen: Im Zwielicht sind die Schemen Schumanns zu erkennen. Er macht sich ans Werk, Stein auf Stein. Robert Schumann baut sie wieder auf, schillernder und ungeheuerlicher als je zuvor: die Romantik!
Wie ein Karussell wirbelt sie in dieser modernen Rhapsodie durch die Nacht. Sie zieht uns blinkend in ihren Bann. Beinahe reißt ihr Fahrtwind uns mit. Neben Schumann reitet Frankensteins Monster aus Mary Shelleys Schauerroman im Kreis. Das Karussell dreht sich schneller, die Fratzen der Figuren verwischen, werden eins. Begleitet von seinen geloopten Träumereien lädt Schumann uns ein: Wer hat noch nicht? Wer will nochmal?
Die Welt des 19. Jahrhunderts war im rasanten Wandel begriffen: Fortschritt und Globalisierung entzaubern die Welt und reißen die inbrünstige Romantik in den Abgrund. Jetzt erschafft nicht mehr Gott, sondern der Mensch seinen Schrecken selbst – und dessen Monster lassen sich nicht zähmen. Wie gefallene Engel kriechen Kinder aus dem Unterholz der deutschen Wälder. In der rauen Poesie des Deutschrap – »Ich schieß’ auf den Adler!« – attackiert der Chor der Kinder den Adler als National- und romantisches Freiheitssymbol. Doch unsere Gegenwart erscheint wiederverzaubert: in Form von Kitsch und Pop, Trash-TV und Weltflucht, machtgestützter Innerlichkeit und Nationalstolz.
Springen Sie auf! Erleben Sie eine musikalisch-sinnliche Collage von Novalis bis Heiner Müller. Die Regisseurin Mizgîn Bilmen verwebt Körper, Sprache und Musik zu einem eindringlichen Gesamtkunstwerk. Sebastian Undisz’ Live-Band und der Kinderchor entwerfen ausgehend von Schumanns Schaffen eine deutsche Geschichte der Romantik, die so noch nicht erzählt wurde.